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Spicy Marmelade Radio Kultig • Witzig • FSK18
Anstich
München roch in jener Nacht nicht nach Brezn.
Es roch nach warmem Hals.Forbidden Kitty stand am Rand der Theresienwiese, das Dirndl zu kurz, die Lippen zu rot, die Zähne ein Stück zu lang für eine normale Besucherin. Die Leute nannten sie Vampirella, wenn sie betrunken genug waren, das Wort auszusprechen. Sie nannte sich selbst einfach hungrig.Im Festzelt brüllte die Blasmusik. Maßkrüge stießen zusammen. Ein Mann in zu enger Lederhose grinste sie an, als gehöre sein Hals schon ihr.„Erstes Mal Wiesn?“, fragte er.„Erstes Mal dieses Jahrhundert“, sagte sie und nahm ihm den Krug aus der Hand.Sie trank nicht.
Sie roch nur.
Unter dem Gerstensaft lag etwas Älteres. Eisen. Süße. Ein Versprechen aus 1810.Der Wirt hinter der Theke zuckte zusammen, als ihr Blick ihn traf. Er wischte das Holz ab, obwohl nichts darauf lag.„Keller ist zu“, sagte er zu schnell.Kitty lächelte.
„Keller sind nie zu. Keller warten.“Sie folgte ihm nicht sofort. Sie ließ ihn schwitzen. Sie tanzte eine Runde, biss einem Trachten-Boy nur leicht in die Unterlippe, gerade tief genug, dass er stöhnte statt zu schreien. Blut und Bier vermischten sich auf ihrer Zunge. Es schmeckte nach Anfang.Um drei Uhr war das Zelt leer genug. Der Wirt stand vor der Kellertür, den Schlüssel bereits in der Hand, als hätte jemand anderer ihn dahin gestellt. „Du sollst nicht runter“, flüsterte er. „Dann halt die Tür auf und halt den Schwanz still“, sagte Kitty.
Die Treppe war steinern, feucht, älter als das Fest. Unten stand ein einziges Fass. Eiche. Eisenreifen. Kein Zapfhahn.
Nur ein dunkles Loch, das langsam tropfte. Kein Bier. DerWirt begann zu beten.
Kitty begann zu lachen.Sie trat an das Fass, legte die Hand auf das Holz – und das Holz schlug zurück. Warm. Pulsierend. Wie ein Glied, das zu lange eingesperrt war.Aus dem Zapfloch kam eine Stimme, dick und geil und alt:„Wirtin gefunden.“Kitty beugte sich vor, leckte über den Rand des Fasses und flüsterte:„Dann zapf.“Oben auf der Wiesn setzte die Blasmusik wieder ein.
Unten öffnete sich das erste Loch des Festes.
Ende Teil 1
Written by: Toni Marroni